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Zusätzliche Grundsätze für Wissenschaftlichkeit
#1
Wissenschaft ist eine der wichtigsten Säulen der Aufklärung, der modernen Gesellschaft und des Wohlstands. 
Aber: sie wurde schon lange und in zunehmendem Maß verbogen und missbraucht. Wenn Forschungseinrichtungen fast ausschließlich von Unternehmen abhängig sind, die einen Interessenkonflikt für die Forschungsergebnisse bedeuten. 
Ebenso ist oft viel zu wenig transparent, auf welchen Annahmen oder Voruntersuchungen Studien und Schlussfolgerungen beruhen. 

Ich habe daher mal versucht, ergänzende Grundsätze einer neuen Wissenschaft zu formulieren.


Folgende wissenschaftliche Prinzipien wären sinnvollerweise als Ergänzung für die alten zu definieren:

 Neutralität, also Ergebnisoffenheit der Untersuchung, damit Neutralität der Personen zumindest im Sinne von frei von Interessen an einem bestimmten Ergebnis sein. 
Beauftragung und Finanzierung der Studien muss durch unabhängige Organisationen erfolgen. (frei von Lobbyismus, Interessenkonflikten, Finanzierungskonflikten). Finanzielle Abhängigkeiten sind offen zu legen. Studien können nicht vom Auftraggeber unter Verschluss gestellt werden.
Klare Trennung von Tatsachen und Meinungen. Annahmen und Schlussfolgerungen sind klar zu formulieren und von den Untersuchungsergebnissen zu unterscheiden. (statt Meinungen oder Schlussfolgerungen als Tatsachen zu verkaufen)
Wichtig: Betrachtungen und Auflistung der Vorannahmen, auf denen die Untersuchung und die Schlussfolgerungen gründen (das ist eine der größten Lücken heute)
Dies kann ähnlich erfolgen wie bei der Programmierung in C: Grundsätze werden erarbeitet und in "Libraries" formuliert, die dann im übergeordneten Modul referenziert werden. z.B. Mathematik macht das annähernd so: Das Studium beginnt mit einer logischen Gerleitung der Zahlen und Grundrechenarten, darauf basierend der höheren Funktionen usw. 
-> Grundlagen-Papiere, die in der Studie als Basis referenziert werden.
 Unsicherheitsfaktoren durch Beeinflussungen des Beobachters und der Messung müssen berücksichtigt werden. (wo nicht ausschließbar, ist Erwähnung notwendig). Z. B. könnte jeder wichtigen Erkenntnis eine Information beigefügt werden, die Auskunft über die „Gesichertheit der Information“ gibt 
 Saubere Auflistung nicht berücksichtigter Einflussfaktoren, die von Anderen als relevant angesehen werden
optional Auflistung anderer möglicher Schlussfolgerungen aus anderen Vorannahmen heraus.
 (Muss-)Angaben darüber, ob die Studie durch Replikation bestätigt wurde oder nicht.



Das hier kann natürlich nur eine Diskussionsbasis darstellen.
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#2
Ich steige hier in die Diskussion eine und eröffne einen neuen Blickwinkel. Muss es immer Wissenschaft sein? Für mich ist 'Wissenschaft' ein Reizthema. Heute muss alles wissenschaftlich bestätigt sein, ansonsten hat es keinen Zweck, keine Wirkung oder ist nicht existent.
Mit dem Zauberspruch ' es ist wissenschaftlich bewiesen, dass...' habe ich automatisch recht und die meisten denken, dann ist es wohl wahr. Wenn ich also behaupte ' es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die Erde rund ist' glauben alle, dass die Erde rund ist (ist sie  ja auch, werden alle sagen!?).
Was mir viel wichtiger ist als die Wissenschaft ist der gesunde Menschenverstand (was auch immer das sein mag).
'Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst'. Dieser Leitspruch von Anonymous? gefällt mir sehr gut. Mit Wissenschaft kann ich alles beweisen. Dass die Erde rund ist und bei Bedarf auch, dass sie eine Scheibe ist. Ist alles eine Frage der Versuchsanordnung, Interpretation und der statistischen Auswertung.
Da wir nun nicht alles nachprüfen können glauben wir eben die Dinge die wir glauben wollen. Die einen glauben an 'jenes höhere Wesen das wir verehren' (Gott, Jahwe...), die 'Gottlosen' glauben an die Wissenschaft und es gibt Menschen, die an Gott und die Wissenschaft glauben.
Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass wir vom Affen abstammen, dass unser Universum durch den Urknall entstanden ist, dass alles Leben auf der Erde aus einer Zelle entstanden ist.....
Das ist alles ganz nett, aber das sind alles nur Theorien an die man glaubt oder auch nicht. Bei uns wird Wissenschaft mit Realität verwechselt. Glaube ist diffus, Wissenschaft ist real, greifbar und wirklich. Aber wie real ist Wissenschaft, wie real ist die Realität. An was glauben wir, an Gott, an die Wissenschaft an beides? An die Wissenschaft brauchen wir nicht zu glauben, denn die ist real!!!! Ist sie das?
'Prüfe alles, glaube wenig, denke selbst. Und verschone mich mit der Wissenschaft, denn die kann alles beweisen und bei Bedarf auch das genaue Gegenteil.
Gruß
Werner L., aus H.
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#3
So wie die Religionen über Jahrtausende dazu dienten, den Menschen die Welt zu erklären, ist die Wissenschaft eine neue Spielart, die Realität zu beschreiben. Dabei beschränkt sich die Wissenschaft auf die Rationalität. Die Erkenntnisse müssen nachprüfbar, messbar und wiederholbar sein, um als wissenschaflich einwandfrei anerkannt zu werden. Diese Methodik hat auch zu vielen Ergebnissen geführt, die den Menschen zugute kommen.
Kritisch wird es dann, wenn, wie in den istitutionalisierten Religionsgemeinschaften, für diese Methodik ein Absolutheitsanspruch erhoben wird. Weder die Welt noch die Menschen lassen sich rein rational erklären. Auch die Wissenschaft stößt ständig an ihre Grenzen, wirft mehr Fragen auf als Antworten zu finden.
Das ist weder Makel noch Mangel, zeigt nur deutlich, dass bei dem Versuch, die Realität zu erfassen, der Verstand nur einen Teilbereich dessen erreicht, was existiert. Etwas mehr Bescheidenheit, vielleicht auch Demut täte den Hohepriestern der Wissenschaft sicher gut.
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#4
Wissenschaft ist immer ein Fazit der Vergangenheit und seiner aktuellen Zeit.
Schon deshalb würde ich NIE behaupten Wissenschaft würde ein Alleinstellungsmerkmal der Wahrheitskunde besitzen.
Zumal kein Wissenschaftler ein Schriftstück unterschrieben hat seine These mit seinem Leben in die Waagschale zu werfen.
Aktuell sieht man ja was Wissenschaft für Daten auf den Tisch legt, unabhängig der politischen "Ausbeutung".
Aus den Lehrhallen der Weisheit ist es ruhig, relativ wenig Widerhall zu vernehmen.
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#5
Wissenschaft heißt für mich genau das: prüfe alles, glaube wenig, denke selbst.

Echte Wissenschaft berücksichtigt die Bedingungen, unter denen sie erfolgt. Dazu gehören nicht nur die Forschungsparameter und das Forschungssetting, sondern vor allem in den Geisteswissenschaften auch den Ort, das Forschungsinteresse und die eigenen Vorannahmen. Diese gilt es offenzulegen. Das gehört zur Messbarkeit bzw. Nachvollziehbarkeit dazu.

Wissenschaft ist immer von Menschen gemacht und auch Künstliche Intelligenz hat ihren Ausgangspunkt in Menschen. Menschen sind immer einschränkenden Bedingungen unterworfen. Deshalb kann es in der Wissenschaft nicht darum gehen, EINE Wahrheit zu finden, sondern das Befragen, kritische Beleuchten und Gegenüberstellen unterschiedlicher Daten und Ansätze zu betreiben, um dann zu einem Ergebnis zu kommen, das (ganz im Sinne der Schwarmintelligenz) am plausibelsten ist und handlungsleitend wird.

Die drei unhintergehbaren Anforderungen an die Wissenschaften sind für mich: Kritische Forschung auf der Grundlage der Berücksichtigung unterschiedlicher Quellen// Freiheit der Forschung von Einzelinteressen und Einflussnahmen// Forschung auf der Grundlage, dass die Würde des Menschen unantastbar ist.

Vielleicht ist das für Viele naiv, an solch einem Wissenschaftsideal festzuhalten. Ich bin altmodisch und glaube fest daran, dass das unsere einzige Hoffnung ist. Denn wenn wir die Wissenschaft aufgeben, geben wir uns nur noch dem Recht des Stärkeren anheim. Zwar benutzen "die Stärkeren", Zahlungskräftigen, Korrupten auch die Wissenschaft und WissenschaftlerInnen, aber wenn wir uns ganz grundsätzlich gegen Wissenschaft wenden, dann schütten wir das Kind mit dem Bade aus.
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#6
Hallo Andrea,
ich stimme dir zu und ergänze: Wer nichts weiß, muss alles glauben.

Deine drei Anforderungen sind ganz sicher nicht altmodisch. Aber wie gehen wir mit Wissenschaftlern um, die sich in Arbeitsgruppen treffen, am Computer 3D-Animationen erstellen, Gewichte bemessen und Umkreisberechnungen anstellen, Kunststoff-Spritzmaschinen mit den gewonnenen Daten programmieren, niedliches Kinderspielzeug herstellen und deren Hohlraum mit einem Substrat befüllen, dass beim Hochheben kleine Kinderhände abreißt? "Ich habe nur die Farbpigmente berechnet." "Ich habe nur die Software aufgespielt."
Wie schaffen wir Gesamtverantwortung?
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#7
Was kann ich wissen ? (Erkenntnistheorie / Wissenschaft)
Was darf ich glauben ? (Metaphysik / Religion / zulässige Annahmen )
Was soll ich tun ? ( Ethik / Politik )

Die Politik muss auf der Basis von Annahmen, also entweder wissenschaftlichen Fakten oder zulässigen Annahmen (wissenschaftlich nicht widerlegbaren Behauptungen) Entscheidungen treffen.

Letztlich ist diese Entscheidung die Lösung eines mathematischen Optimierungsproblems. Man muss es natürlich entsprechend formulieren.
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#8
Also ich glaube auch, dass die wissenschaftlichen Prinzipien gut sind, denn sie ermöglichen uns eine Objektivierung der Sicht, eine gute Grundlage für Entscheidungen und Weiterentwicklungen. 
Nur ist Wissenschaft heute nicht das, was sie sein sollte. Daher mein Vorschlag mit der Erweiterung der Prinzipien. 
Das heißt nicht, dass Wissenschaft alleine gültig sein muss, es keine spirituellen oder unbeweisbaren oder intuitiven Sichtweisen geben darf. 

Das Hauptproblem hat Prof. Christian Kreiß in seinem neuen Buch beschrieben: dass sie mittlerweile mehr Meinungsmacher-Instrument als Wahrheitsfindung-Instrument ist.

Sein Buch kann kostenlos heruntergeladen werden, die Infos darin könnten wir gut als Argumentationsbasis verwenden:

[font="Times New Roman", serif]Mein neues Buch ist erschienen: Gekaufte Wissenschaft: https://tredition.de/autoren/christian-kreiss-29150/gekaufte-wissenschaft-paperback-139560/
[font="Times New Roman", serif]Hier die kostenlose pdf-Version: https://menschengerechtewirtschaft.de/wp-content/uploads/2020/08/Buch-Gekaufte-Wissenschaft-pdf.pdf Sie kann beliebig kostenlos weitergeleitet oder veröffentlicht werden
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