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Überlegungen zu Betreuung in Kita und Co
#1
Rechtsanspruch U3
Durch Ausbau von Kita und Tagespflege konnte eine Betreuungsmöglichkeit für 35% der Kinder unter drei Jahren geschaffen werden. Dies ist sicher ein gut gesteckter Rahmen und ermöglicht vielen Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wichtig ist, dass der Bedarf beständig abgefragt wird, damit sich die Kommunen frühzeitig den Bedürfnissen anpassen können.
In erster Linie dient die Betreuung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber auch die frühkindliche Förderung ist ein Schwerpunkt des Angebotes. Besonders in stark ausgelasteten Familien ist dies eine Möglichkeit den Kindern so ein verlässliches und förderliches Umfeld zu bieten.
Um den Bedarf der Plätze ausreichend zu planen, ist eine enge Zusammenarbeit mit den ansässigen Jugendämtern notwendig. Es bedarf einer landeseinheitlichen Regelung wie diese Zusammenarbeit gestaltet sein soll.
Wichtig ist, dass nun auch der qualitative Standard weiter ausgebaut werden muss. Dazu gehört eine Anhebung des Mindestpersonalschlüssels oder Reduzierung der Gruppenstärke und eine Reformierung der Ausbildung auf ein nachweisliches Niveau. Die aktuelle Abschlußquote der Fachschulen liegt bei nahezu 100%. JedeR Auszubildende besteht die Ausbildung, was aus qualitativer Betrachtungsseite heraus nur möglich ist, wenn die Ansprüche zu niedrig sind oder nicht objektiv genug geprüft werden. Hier wäre ein massiver Ausbau an dualen Studiengängen der frühkindlichen Bildung beispielsweise sinnvoll.
In erster Linie sollte immer das Wohl des Kindes stehen und die Betreuung und Förderung in einer Einrichtung diesem Wohl untergestellt sein. Dies bedeutet auch, dass eine Ganztagesbetreuung unter dem Hinblick des Stressfaktors zu betrachten ist. Es ist nachgewiesen, dass eine institutionelle Betreuung von mehr als sechs Stunden am Tag als Kleinkind, auch noch im Grundschulalter im Stresshormon des Blutes nachgewiesen werden kann. Daher ist es wichtig, dass auch Arbeitgeber gesetzlich weiterhin darauf achten müssen, den Eltern einen Arbeitsplatz in Teilzeit anzubieten und auch die Arbeitszeiten entsprechend zu gestalten.

Betreuung von 3 bis 6 Jahren
Ob ein weiterer Ausbau der Ganztagesbetreuung notwendig ist, muss auch hier durch regelmäßige Bedarfsumfragen geklärt werden. Aber auch hier sollen die Arbeitgeber dazu gebracht werden, die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten Eltern so zu gestalten, dass eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf gegeben ist.
Durch das Einbringen des Orientierungsplanes wurden bereits vor Jahren die Weichen für eine qualitativ hochwertige Betreuung gestellt. Nun sollte es weiterhin Ziel sein, die Inhalte des Orientierungsplanes praxisnah an das Fachpersonal zu transportieren. Hierzu braucht es gute und zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten, welche aber auch durch die Teilnehmer per Prüfung abgeschlossen werden müssten.
Weiterhin ist eine qualitative, individuelle Betreuung nur möglich, wenn sich Mindestpersonalschlüssel oder Gruppenstärken zum positiven verändern. Ebenso ist ein Augenmerkt auf multiprofessionelle Teams zu legen.
Die Kooperation mit anderen Fachdiensten muss weiter ausgebaut werden. Hierzu zählen regelmäßige Supervisionen für das pädagogische Team mit SozialpädagogINen und PsychologINen.

Finanzierung
Das Land Baden-Württemberg muss mehr Gelder in die Finanzierung von Bildung finanzieren. Dass dieser Bereich so stiefmütterlich behandelt wird, ist weder nötig noch zukunftsorientiert.
Elternbeiträge sollen landesweit einheitlich gestaltet werden. Dies wäre bei Städtetagen zu klären und zu verändern. Die Beiträge sollen sich an den Familieneinkommen orientieren und grundsätzlich so gestaltet sein, dass die Beiträge kein Grund sind, die eigenen Kinder nicht in eine Kita oder zu einer Tagesmutter zu bringen.
Die volle Kostenübernahme durch die Kommunen wäre für ein 15 Stunden Basismodell ebenso denkbar. Und erst ab der 16 Stunde werden überhaupt Gebühren fällig. So wird auch Kindern die frühkindliche Förderung und der Aufbau an sozialen Strukturen in einer sozialen Einrichtung ermöglicht, welche bisher aus Kostengründen durchweg Zuhause betreut wurden.
Alternative Kindergärten, wie beispielsweise Waldorf- oder Montessori Kindergärten sollen, sofern sie den gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechen, gleichsam finanziert werden.

Das Wohl des Kindes
Durch die Einführung der U-Untersuchungen werden Kinder zumindest die ersten sechs Jahre ihres Lebens regelmäßig beim Kinderarzt vorständig. Dies ist ein guter Schritt um die Entwicklung des Kindes zu beurteilen.
Sinnvoll wäre es, wenn alle Familien zusätzlich einen jährlichen Hausbesuch des zuständigen Jugendamtes erhalten würden. So kann auch das Umfeld des Kindes im Hinblick auf seine gesunde Entwicklung begutachtet werden. Außerdem ist so ein Inanspruchnehmen von frühen Hilfen für Eltern wesentlich unterschwelliger als ein Anruf beim Jugendamt oder anderen Institutionen. So können Gefährdungen des Kindeswohl schneller erkannt werden und so frühzeitig entsprechende Angebote den Familien unterbreitet werden.
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#2
Das Kindeswohl ist sicherlich ein extrem wichtiges Thema bei den angestrebten Veränderungen unserer Gesellschaft hin zu mehr Mitmenschlichkeit und Achtsamkeit. Etwas wundern mich dabei die doch sehr technokratisch-bürokratischen Lösungsansätze.
Ich sehe darin eine Fortschreibung des schon vor Jahrzehnten eingeschlagenen Weges in der Familienpolitik ,die eine marktkonforme Familie fördert, statt einen familienkonformen Markt.
Das grundsätzliche Dilemma ,mit dem sich junge Menschen heute konfrontiert sehen ist doch,dank der wirtschaftsorientierten Politik, der Gedanke: "Kann ich mir eine Familie überhaupt leisten ?"
Welcher "Normalverdiener" hat denn noch die Möglichkeit, zwischen einer familiären oder öffentlichen Kinderbetreuung zu wählen. Überwiegend sind doch beide Partner gezwungen zu arbeiten, um allein die horrenden Mieten zahlen zu können.
Diese Form der "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" wird meist zu einer Hetzjagd für zumindest einen Partner,vornehmlich den weiblichen.
In diesem Umfeld noch von "Kindeswohl" zu sprechen, welches dann noch genauer mit Hilfe von Ärzten und Jugendämtern zu überwachen wäre, halte ich für nicht angemessen und untauglich für eine zukunftsorientierte, den Bedürfnissen der Familien angepasste Entwicklung.
Eine konstruktive Lösung dieses Dilemmas liegt vorrangig in der doch recht radikalen Umgestaltung der Wirtschafts-und Finanzpolitik, die verhindern sollte, dass, wie zur Zeit, ungeheure Finanzmittel aus der Realwirtschaft in private Hände abgezogen werden können.
Da wäre dann das Thema "Verteilungsgerechtigkeit"
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#3
Der Eingangsbeitrag liest sich wie eine Lobbyschrift für Kinderkrippen.
Ich würde es total gegensätzlich formulieren.
Jede Familie (Mutter oder Vater) soll die finanzielle Möglichkeit haben, ein Kind bis zu einem individuellen alter (Kinder sind sehr unterschiedlich in ihrer Entwicklung) selbst zu betreuen. Deshalb muss es eine entsprechende Zahlung geben, die dies ermöglicht. Optimal ein bedingungsloses Grundeinkommen, so dass jede Familie selber entscheiden kann was ihr wichtiger ist.
Wenn wir das Prinzip der Freiheit im Bildungsbereich und die Selbstbestimmung der Familien ernst nehmen, ist das der einzig gangbare Weg.
Es kann nicht sein, dass aus Steuergeldern Krippenplätze finanziert werden, und Eltern, die ihre Kinder lieber selber betreut hätten, dies aus finanziellen Gründn oder aus Angst vor einem Karriereknick nicht können.
Und es muss auch die Freiheit der Kinderkrippen gewährleistet sein, genauso wie die der Schulen. Wer sein Kind lieber in einem Bauwagen im Wald betreuen lässt, muss dies tun können (den Kindern tut es gut) ohne dass das Hygiene- oder Gesundheitsamt mit unrealistischen Forderungen alles zerstört. Und die Kinderkrippen müssen alle Freiheiten haben, ihre Konzepte zu entwickeln. Schließlich sind sie die Fachleute.
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