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Die Agonie der DDR 1989 und die jetzige Zeit 2022 - Druckversion

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Die Agonie der DDR 1989 und die jetzige Zeit 2022 - Telliamed - 11.01.2022

Liebe Freunde,

sicher werden etliche unter Euch sein, die im Herbst 1989 die Agonie der DDR und das sang- und klanglose Abtreten der Partei- und Staatsführung aus der Nähe miterlebt haben und auch auf die Straße gegangen sind, als das Vertrauen zwischen Oben und Unten restlos verspielt, der Kontakt zwischen Führung und Volk verlorengegangen war und die Angst vor einer gewaltsamen „chinesischen Lösung“ immer mehr um sich griff.

Auch die Demonstrierenden damals wurden als eine Minderheit dargestellt, denen eine angeblich „schweigende Mehrheit“ gegenüberstünde. Alle offen Protestierenden stellen naturgemäß zunächst immer eine Minderheit dar. Die Masse der Bevölkerung, die fürchtet, Existentielles durch Proteste zu verlieren (Arbeitsplatz, soziale Bindungen), wartet zumeist anfänglich ab.


Ich versuche einmal, aus meiner lebendigen Erinnerung heraus (ich habe immer Tagebuch geführt) einiges zu vergleichen:


  1. Ab dem Sommer 1989 hatte die Parteiführung in der DDR keinen Kontakt mehr auch zu jenem immer noch loyalen Teil der Bevölkerung, der, wie seit Jahrzehnten gewohnt, auf Informationen und Nachrichten „von oben“ wartete. Kaum jemand erhoffte sich noch etwas von den verstummenden, kranken Greisen im Politbüro.
    Die offiziellen Massenmedien waren für jedermann ungenießbar geworden. Die Menschen waren auf sich gestellt. Jetzt aber kam angesichts des hilflosen Schweigens der Obrigkeit die Chance der Opposition, einen breiten Anklang zu finden. Aus wenigen 100 Protestierender wurden innerhalb von Wochen bald Zehntausende und Hunderttausende.
  2. Gemeinsam ist den Ereignissen 1989 und 2020-2022, dass die offizielle Presse, die in der BRD zudem noch von den Bürgern zwangsweise mit Gebühren bezahlt werden muss (gleich, ob sie konsumiert wird oder nicht), ein hohes Maß an Konformität aufweist.
    Nach den Knüppelorgien der Polizei Anfang Oktober 1989 in Berlin (Gethsemanekirche), Dresden (durchlaufende Züge mit Ausreisenden) und Leipzig formierte sich ein durchweg friedlicher Protest von unten, da Reformen von oben nicht mehr zu erwarten waren. Diese bekundet friedlichen Absichten waren ganz wichtig! Als sich am 4. November 1989 mehr als 600.000 Menschen auf dem Berliner Alexanderplatz einfanden, um zwei Artikel der eigenen DDR-Verfassung einzuklagen – Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit – trugen die Ordner, zumeist Berliner Künstler, grün-gelbe Armbinden mit der Aufschrift „Keine Gewalt!“Wenn ich damals gewusst hätte, dass in den Nebenstraßen schwer  mit Schusswaffen ausgerüstete Armeeeinheiten bereitstanden, weil sich die Regierung der DDR in dem Wahn befand, dass die Demonstrierenden irgendeine Absicht hätten, sich in Richtung Mauer, Westberlin zu wenden ! Ganz im Gegensatz zu Leipzig, Dresden und Plauen interessierte jedoch an diesem Tag die „deutsche Frage“ noch niemanden in Berlin, mehr als 95 Prozent der Demonstranten wollten eine bessere DDR im Sinne der „Perestrojka“, während man auf den Demonstrationen in Sachsen schon die deutsche Einheit herbeisehnte.
  3. Die Gewaltfreiheit ist eine wesentliche Gemeinsamkeit des Volksprotests 1989 und 2021/22. In der überwiegenden Mehrzahl erscheinen besorgte Bürger aus der „Mitte der Gesellschaft“, die es auch damals gab, ganze Familien. Die extremistischen Randgruppen konnten erfolgreich isoliert werden.
    In der DDR waren 1989 Staatsmacht, Partei und Militär wie gelähmt, es kam zu Verbrüderungen zwischen Demonstranten und der Polizei, wie am 4.11. 1989, als sich Volkspolizisten vom Volk rote Nelken und Gorbatschow-Abzeichen anstecken ließen.
  4. Seitdem es ebenfalls in den westlichen Bundesländern Massenproteste gibt, die im Osten sowieso zu erwarten waren, ist sichtbar geworden, dass auch dort das traditionelle Vertrauen in die Nachrichten der etablierten Massenmedien rapid gesunken ist und die Sorgen „rote Linien“ überschreiten lassen: eine verfassungswidrige allgemeine Impfpflicht droht. Während in jeder anderen Gesellschaft die Kinder geschützt werden, sind bei uns die Kinder einer völligen Verunsicherung und Traumatisierung ausgesetzt, die viele Jahre nachwirken können. Wer vergreift sich so an unseren Kindern? 
  5. In der DDR wurden vielfach die Kirchen zum Zufluchtsort der Opposition auch für jene, die überhaupt nicht religiös erzogen und eingestellt waren.
    Wenn ich es recht überlege, sind im Westen Deutschlands die beiden großen Kirchen, die dort immer traditionell einen großen Einfluss hatten, die größten Versager des Corona-Wahns: statt ihren Gläubigen einen Halt zu geben, ihnen Gottvertrauen zu empfehlen, schüren sie noch mehr die Ängste, schaffen sie durch ihr unerträgliches Moralisieren Abgrenzungen gegenüber Gruppen“, wie den "Ungeimpften", obwohl die Kirchentore doch eigentlich für alle offen stehen müssten.  Und nun die Parteien: während die bis 1989 herrschende SED von 2 Millionen auf einige zehntausende Mitglieder zusammenschrumpfte, schlüpften die meisten der neu gegründeten Parteien bald unter das Dach der mitglieder- und finanzstärkeren Mutterparteien im Westen. Außenseiter hatten zunächst kaum eine Chance.

[*]Die groß Crux der „Basis“ ist, dass sie mehr noch als die AfD von den Mainstream-Medien nahezu totgeschwiegen und dadurch nicht allgemein bekannt in der Bevölkerung geworden ist.

[*]Demokratie „von unten“ hatte 1989/90 in der untergehenden DDR keine Chance, da man es gar nicht erst für notwendig hielt, eine gesamtdeutsche Verfassungsdiskussion in Gang zu setzen, es erfolgte der Beitritt nach Artikel 23 des Grundgesetzes.
[*]
Im Westen hat sich eine „Siegermentalität“ breit gemacht, die die Bewohner des Ostens in Erklärungs- und Rechtfertigungszwänge brachte, jedoch - "List der Vernunft" (Hegel) - auch widerständiger gegen Fremdbestimmung machte.


Meine Meinung ist: der Sog, der von der „Alternative für Deutschland“ seit 2015 vor allem durch die unkontrollierte Massenweinwanderung ausging, wurde zu Corona-Zeiten schwächer und stagnierte bei den Bundestagswahlen 2021, da auch diese Partei mit Ängsten und Anpassungen in ihren Reihen zu kämpfen hat.

Die „Basis“ könnte für ehemalige DDR-Bewohner durchaus zum Anziehungspunkt werden, wenn sie die demokratische kritische Grundhaltung „von unten“ auch nach Verfliegen des Corona-Themas beibehält. Wenn als nächstes die "menschengemachte Klimakatastrophe" neue Massenpsychosen herbeiführen sollte - ist die "Basis" auch darauf eingestellt, wenn die jetzt alles erfassende Corona-Hysterie auf wundersame Weise wieder in den Hintergrund tritt ?

Manches wirkt auf ehemalige gelernte DDR-Bürger an der "Basis" eher befremdlich, aber es ist eher nebensächlich angesichts der großen Gemeinsamkeiten bei den Zielen:

formale Prozeduren um Wahlen und Entscheidungen, die man in der DDR nicht gewohnt war und schon deshalb eher für überflüssig erachtet, da ohnehin zumeist alsbald wieder „von oben“ entschieden werden wird.
[*]Das wird aus westlicher Sicht oft als "Demokratieferne" der Ostbürger ausgelegt, da es doch "nur" um die Enthaltung bei formalen Prozeduren geht. Unterschiedliche Mentalitäten: West: "Hier stehe ich, das ist meine Meinung!" Ost: Erst einmal abtasten und hineinhören, bei welchen Begriffen und Themen könnte man sich einig werden ... (Klischee aus).

Esoterische Entrücktheiten werden im Osten eher belächelt (etwa Einflüsse Rudolf Steiners, Waldorf-Schulen, deren Absolventen mit der Härte des Lebens oft nicht zurechtkommen - ehe man in einen "ergebnisoffenen Diskurs" eingeht, auf welcher Ebene die Diskussion weitergeführt wird, hat man schon durch schlichte, gewaltbereite Gemüter einfach einen "in die Fresse bekommen" Confused ). hier Ironie, war nicht so gemeint ...

Die Partei „Die Basis“ muss auf jeden Fall daran bleiben, eklatante Verstöße gegen die Menschlichkeit und die Menschenrechte anzuprangern und ihre gerichtliche Verfolgung anzustreben. Das Wörterbuch des Unmenschen, das gegenwärtig durch viele Einträge vermehrt wird, die Grauen erzeugen und den meisten von uns schon aus Viktor Klemperers „LTI“ bekannt ist, darf nie wieder aufgeschlagen werden.


RE: Die Agonie der DDR 1989 und die jetzige Zeit 2022 - cristian richard - 12.01.2022

Gut geschrieben , wohl gesprochen !

Als Wessi hatte ich damals die irrige Hoffnung , das die Ossis jetzt einen besseren Staat bauen würden.
Einen echten demokratischen sozialen Staat ... dann hätte ich rüber gemacht.
Und sie hätten mich wohl nicht gewollt *lach*

Für die Basis halte ich es am wichtigsten;

1. Eine funktionierende Basisdemokratie erst mal für ihre Mitglieder zu schaffen.
    Das gilt vor allem für das Forum als wichtigste Plattform

2. Zitat : Ost: Erst einmal abtasten und hineinhören, bei welchen Begriffen und Themen könnte man sich einig werden ... (Klischee aus).
    Beginnen wir mit den Themen in denen wir uns einig sind, die den Menschen wichtig sind mit Volldampf.
    Noch haben wir keine Regierungsverantwortung und müssen nicht jedes kleine Detail klären.

3. Ortsvereine müssen unser Rückrat sein, wenn die Macht vom Volk kommen soll.
    Da müssen wir die Menschen treffen. Der Slogan freie Sachsen gefällt mir sehr gut.
    tun wir uns in den Dörfern als freie Menschen zusammen und ändern die "Befehls Ordnung" oder die "Rang Ordnung"
 

psst: Die Macht immer weiter nach oben abzugeben war nicht schlau, (von Stadt->  zu Land -> zum Bund ->Zu Europa -> ?der neuen Weltordnung?)
        Verbünden ja, aber als Freie, nicht als Befehlsempfänger.  Mit allen Vor und Nachteilen. ^^  ...Cris


RE: Die Agonie der DDR 1989 und die jetzige Zeit 2022 - nochmalpruefen - 28.01.2022

Auch wenn es "nur" 130.000 Mutige und herzenswarme Visionäre waren; es hat funktioniert, wenn es mehr waren, um so besser!

ZITAT von der ACHSE DES GUTEN:
https://www.achgut.com/artikel/die_freiheit_ist_ein_abenteuer_lasst_uns_spazieren/P10#comment_entries

T. Schneegaß / 25.01.2022

@G. Böhm: Wir lassen es auf alle Fälle weiter schneien, darauf kann sich der Despot verlassen. Übrigens kurios: Kretschmers Hof-Medium MDR nennt heute die Zahl von 53.000 Demonstranten gestern in Sachsen (wir wissen genau, dass diese Zahl ziemlich exakt zu verdoppeln ist) und freut sich, dass es sich dabei ja nur um 1,3 % der sächsischen Bevölkerung handelt. Wir müssen diese Journaille wieder mal daran erinnern, dass am 09.10.1989 weniger als 1 % der demonstrationsfähigen DDR-Bürger, nämlich 130.000, das Ende des Regimes einleitete."